Mängel-an-Nutzfahrzeugen ©2009 Burkhard Köhler

Entstehungsgeschichte

Als ich mich Ende des Jahres 2000 dienstlich erstmals mit dem technischen Zustand von Lkws auseinandersetzte, stand ich vor dem Problem, dass es keine einschlägige Fachliteratur gab, die die Thematik der Mängelerkennung an Lkws beschrieb. Darüber hinaus stellte sich die Frage, wo steht denn eigentlich in den Gesetzen und Verordnungen geschrieben, wie ein Fahrzeug beschaffen sein muss und unter welchen Voraussetzungen Fahrer und Halter für technische Mängel überhaupt verantwortlich zu machen sind. Die bis dato verfügbaren Fachbücher beschrieben zwar sehr anschaulich den Aufbau und die Funktionsweisen der verschiedensten Baugruppen, konnten aber den spezifischen Informationsbedarf, den insbesondere die Kontrolleure der Polizei und des BAG hatten, nicht abdecken. Hieraus entstand die Idee, eine Informationsbroschüre für die Berliner und Brandenburger Polizei zu erstellen, in welcher die häufigsten Mängel dargestellt und erläutert wurden. Aus dieser 70 DIN A4 Seiten umfassenden Broschüre, entstand 2003 dann die 1. Auflage des abgebildeten Handbuches, das 2006 in der 2. vollständig überarbeiteten Auflage erschienen ist. Im Jahr 2009 entwickelten sich die ersten Ideen für eine Neuauflage. Mit dieser habe ich dann 2011 angefangen. In über vier Jahren entstand ein völlig neues Buch, das im Mai 2015 veröffentlicht wurde. Da auch die Mängelerkennung an Kraftomnibussen aufgenommen wurde, lautet der Titel nun “Mängelerkennung an Nutzfahrzeugen”. Für die Leser der 1. oder 2. Auflage wird sich natürlich die Frage stellen, ob das alte Buch nicht ausreicht und es sich lohnt 68,- € für die 3. Auflage auszugeben. Ich denke schon, denn die 3. Auflage ist deutlich erweitert worden, wie die folgenden Ausführungen zeigen.

Was ist neu?

Die 3. Auflage wurde nicht nur überarbeitet, sondern von Grund auf neu gefasst. Der Umfang ist auf 724 Seiten angewachsen. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass das Buch über 1600 Bilder enthält. Knapp 400 Fußnoten verweisen auf die einschlägigen Rechtsvorschriften und dienen als Quellenangaben. Die Struktur und der Inhalt des Buches orientieren sich weitgehend an den Vorgaben der Rili 2000/30/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 6. Juni 2000 über die technische Unterwegskontrolle von Nutzfahrzeugen, die in der Gemeinschaft am Straßenverkehr teilnehmen, in der durch die Rili 2003/26/EG und 2010/47/EU geänderten Fassung. Detaillierte Ausführungen hierzu, sind dem Kapitel 2 zu entnehmen. Dass nicht alle Prüfpunkte kommentiert werden konnten, ergibt sich schon aus der Fülle der Einzelmängel. Beispielsweise werden auch in diesem Buch keine Mängel an den Beleuchtungseinrichtungen erläutert, denn das würde den Rahmen schlichtweg sprengen. Hierzu verweise ich auf das ebenfalls im Kirschbaum Verlag Bonn erschienene Buch „Lichttechnische Einrichtungen an Kraftfahrzeugen und deren Anhänger“. Neu aufgenommen wurde die Mängelerkennung an Kraftomnibussen (KOM). Unterschiede ergeben sich bei dieser Fahrzeugart insbesondere hinsichtlich des Fahrwerks und der Karosserie. In Kapitel 8 wird explizit auf mögliche Brandgefahren in KOM eingegangen. Ich bitte um Verständnis, dass aufgrund des deutlich angestiegenen Umfangs auf einige allgemeine Ausführungen aus der 2. Auflage sowie auf das Kapitel „Großraum- und Schwertransporte“ verzichtet werden musste. Die in diesem Kapitel beschriebenen Mängel sind in die einzelnen Abschnitte eingeflossen. Das Buch soll weiterhin insbesondere den Mitarbeitern der Polizei und des BAG den Einstieg in den riesigen Themenkomplex der technischen Verkehrsüberwachung erleichtern, die keine technische Ausbildung haben. Hierzu wurde den zahlreichen Leserwünschen entsprochen und detailliert beschrieben, wo sich die Bauteile am Fahrzeug befinden. Anhand von über 1600 Bildern wird die Beschaffenheit und Funktion der Bauteile beschrieben und die Mängelerkennung erläutert. Besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt, klar hervorzuheben, welche Auswirkungen die jeweiligen Mängel auf die Verkehrs- und Betriebssicherheit haben können. Um für Rechtssicherheit zu sorgen, erfolgt die Bewertung auf Grundlage des Mangelkataloges und des Mangelbaums. Darüber hinaus wird auf zahlreiche Herstellervorgaben und Herstellerinformationen verwiesen. Ebenso wird explizit darauf eingegangen, ob der Fahrer den Mangel im Rahmen der Abfahrtkontrolle oder des Fahrbetriebs hätte feststellen können. Als ich mich mit den neuen Inhalten beschäftigte, war schnell klar, dass ich auf die Unterstützung vieler Firmen angewiesen sein werde, um das Buch in der vorliegenden Qualität  zur Verfügung stellen zu können. Diese Unterstützung wurde mir umfassend gewährt, wofür ich mich bei den folgenden Firmen bedanken möchte: ­ BPW Bergische Achsen ­ EvoBus GmbH ­ Haldex ­ JOST (ROCKINGER) ­ KNORR-BREMSE ­ MAN Truck & Bus Deutschland GmbH ­ RINGFEDER ­ SAF-HOLLAND - TRW Automotive ­ WABCO Fahrzeugsysteme ­ ZF Friedrichshafen Ein ganz besonderer Dank gilt wieder den Geschäftsführern der Firma Ruppel GmbH in Berlin, Heinz Ruppel und Detlef Beier, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Durch die freundliche Unterstützung und dem umfassenden (frei zugänglichen) Internetangebot dieser Firmen, stellt das Buch eine breit aufgestellte aber nicht abschließende Zusammenstellung von Herstellerinformationen, Wartungsvorschriften sowie Bau- und Ausrüstungsvorschriften nach dem EG-Recht dar, die durch die eigenen Erfahrungen aus 11 Jahren Kontrollpraxis ergänzt wurden. Die Herstellerangaben und die Rechtsvorschriften sind durch die Quellenangaben jederzeit recherchierbar, was insbesondere in einem Ordnungswidrigkeitenverfahren wichtig ist. Darüber hinaus wurden damit auch die urheberrechtlichen Ansprüche gewahrt. Dieses Buch ist deshalb nicht nur für die Kontrolleure der Polizei und des BAG als Nachschlagewerk geeignet, sondern auch für alle anderen Berufsgruppen, die mit dem gewerblichen Personen- und Güterkraftverkehr und der Kraftfahrzeugtechnik konfrontiert werden. Hierzu zählen Kraftfahrer, Unternehmer, Verkehrsleiter, Mitarbeiter in Kfz- Werkstätten, Sachverständige, Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr, Fahrlehrer, Rechtsanwälte und Richter. An dieser Stelle sei mir noch ein wichtiger Hinweis gestattet. In diesem Buch werden auch spezifische Mängel beschrieben, die nur an bestimmten Fahrzeugen oder Bauteilen auftreten. Damit soll keinesfalls Kritik an die jeweiligen Fahrzeug- oder Systemhersteller geübt werden. Denn eines ist augenscheinlich; Wenn die Herstellervorgaben hinsichtlich der Wartungsintervalle und des Wartungsumfanges eingehalten sowie die periodischen Fahrzeuguntersuchungen und die Instandsetzungsarbeiten in der geforderten Qualität ausgeführt worden wären, wären die Mängel niemals aufgetreten. Das wird schon daran deutlich, dass nicht jedes Fahrzeug beanstandet werden musste, sondern nur die Fahrzeuge, deren Unternehmer es mit der Wartung und Pflege ihrer Fahrzeuge nicht so genau nahmen.

Gliederung und Inhalt des Buches

Das Buch ist in acht Kapitel unterteilt. Das Kapitel 1 „Durchführung einer Unterwegskontrolle“ beschreibt die Vorgehensweise und den Umfang einer Unterwegskontrolle. Darüber hinaus werden anhand von Übersichtsbildern die Bauteile des Fahrwerks, der Lenkung und der Radaufhängung benannt und deren Lage und Funktion beschrieben. In den Legenden ist ausgewiesen, in welchem Kapitel auf die Bauteile eingegangen wird. Damit sollte es auch dem Neueinsteiger möglich sein, die Bauteile am Fahrzeug zuordnen zu können. Im Kapitel 2 „Recht“ werden die rechtlichen Grundlagen im Zusammenhang mit Unterwegskontrollen erläutert und über 50 Gerichtsentscheidungen bereitgestellt. Das Kapitel 3 „Bremse“ ist das umfangreichste Kapitel. Auf über 300 Seiten und anhand von 741 Bildern wird der riesige Komplex bearbeitet. Während sich die Kapitel 4-7 an der Gliederung der Rili 2010/47/EU i. V. m. der Rili 2010/48/EU orientieren, wurde für das Kapitel 3 aufgrund der Komplexität und zur Schaffung einer gewissen Systematik, eine eigenständige Gliederung gewählt. Das Kapitel 4 beschreibt umfassend mögliche Mängel an der Lenkung. Erfasst sind nun alle lenkbaren Achsen, also Vorderachsen, Vorlauf und Nachlaufachsen an Kfz sowie gelenkte Achsen an Anhängefahrzeugen. Neu aufgenommen wurden die Themen „direkte“ und „indirekte Sicht“. In Kapitel 5 wird hierzu insbesondere die Vorschriftenlage erläutert und wie Mängel hinsichtlich ihres Einflusses auf die Betriebs- und Verkehrssicherheit zu bewerten sind. Einen deutlichen Mehrwert hat auch der Komplex „Achsen, Räder, Reifen und Aufhängung“ erfahren. In Kapitel 6 werden diese Baugruppen, zu denen auch die Federung, die Stabilisatoren, die Stoßdämpfer (Schwingungsdämpfer), die Führungslenker (Längs- und Querlenker) sowie die Aufhängungsgelenke (Trag- und Führungsgelenke, sowie Achsschenkelbolzen) gehören, umfassend beschrieben und die erheblichen Unterschiede zwischen Lkw und KOM herausgestellt. Besonderes Augenmerk wurde auf die Bezeichnung der Bauteile gelegt, um den Neueinsteiger eine bessere Orientierung zu bieten und ihn in die Lage zu versetzen, Mängelberichte ordnungsgemäß zu erstellen. Eine Sonderstellung nimmt das Kapitel 8 ein, da es sich ausschließlich mit der Brandgefahr in Bussen auseinandersetzt und damit ein Thema aufgreift, das nicht explizit, und schon gar nicht in diesem Umfang, in der Richtlinie 2010/47/EU erfasst ist. Neben den vorangestellten Erläuterungen zur Funktionsweise, dem Aufbau und dem Zusammenwirken der Bauteile untereinander, wird nun bei der Beschreibung der Mängel grundsätzlich unterschieden in die Rubriken „Mangelerkennung“, „Mangelbewertung“ und „Verantwortung Fahrer“. Um im Fließtext eine eindeutige Zuordnung vornehmen zu können, sind die Überschriften entsprechend gestaltet worden. Im Unterpunkt „Mangelerkennung“ wird beschrieben, wie und woran der jeweilige Mangel bei einer Unterwegskontrolle erkannt werden kann. Es werden Tipps zur Lage der Bauteile und zur Vorgehensweise bei der Überprüfung gegeben. Die Ausführungen werden durch zahlreiche Bilder unterstützt. Aufgrund der Vielzahl der Bilder ist es nicht immer möglich, die Bilder unmittelbar den Textstellen zuzuordnen. Abweichend von der 1. und 2. Auflage, werden in der 3. Auflage die Bilder, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht im Fließtext untergebracht, sondern als eigenständige Bildseiten eingefügt. Eine Bildseite enthält i. d. R. acht Bilder. Sofern erforderlich, können es aber auch weniger sein, die dann in einer entsprechenden Größe abgebildet sind. Im Fließtext wird auf die Bildnummern verwiesen. Unter den Bildern stehen die Bildnummer und der Verweis zum jeweiligen Abschnitt. So ist es möglich in beide Richtungen zu recherchieren. Wenn der Kontrolleur ein Bauteil nicht zuordnen kann, sucht er sich in dem jeweiligen Kapitel das Bild (sofern abgedruckt) und erhält über den Verweis zum jeweiligen Abschnitt alle notwendigen Informationen. Dabei lässt es sich leider nicht vermeiden, dass auch mal mehrere Seiten zwischen dem Text und den Bildern liegen. In einigen Fällen wird auch auf ein Bild aus einem anderen Kapitel verwiesen. Die erste Ziffer der Bildnummer ist immer dem Kapitel zugeordnet und die nach dem Punkt aufgeführten Ziffern sind die fortlaufende Nummer des Bildes. Im Unterpunkt „Mangelbewertung“ wird darauf eingegangen, wie der jeweilige Mangel nach dem Mangelkatalog und dem Mangelbaum bewertet wird. Dies soll gewährleisten, dass Polizeibeamte, Kontrolleure des BAG und Sachverständige identische Bewertungsgrundlagen verwenden. Anders als amtlich anerkannte Sachverständige oder Prüfingenieure, die nur den Mangel an sich bewerten und dabei strikt an die Vorgaben des Mangelbaums gebunden sind, müssen die Mitarbeiter des BAG und der Polizei zusätzlich eine Gefahrenprognose erstellen, aus der sich dann weitere gefahrenabwehrende Maßnahmen ergeben können (siehe Kapitel 2 Abschnitt 2 „Garantenstellung der Polizei“). Trifft bei dem jeweiligen Mangel bereits die Mangeleinstufung „Verkehrsunsicher“ bzw. „Gefährlicher Mangel“ zu, gibt es hinsichtlich der Gefahrenprognose keine Probleme. Die Weiterfahrt ist dann grundsätzlich zu untersagen. Wird der jeweilige Mangel jedoch als „Erheblicher Mangel“ bewertet, gestaltet sich das Erstellen einer Gefahrenprognose deutlich schwieriger. Es werden daher Argumente angeboten, die für oder gegen das Vorliegen einer wesentlichen Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit sprechen. Letztlich muss aber jeder Kontrolleur eigenverantwortlich entscheiden, wie mit einem mängelbehafteten Fahrzeug weiter zu verfahren ist. Dabei müssen immer auch die weiteren Umstände, wie die Beladung, die Fahrbahn-, Sicht- und Witterungsverhältnisse und die noch zurückzulegende Fahrstrecke, in die Gefahrenprognose einfließen sowie der verfassungsimmanente Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden. Im Unterpunkt „Verantwortung Fahrer“ wird darauf eingegangen, ob ein Fahrzeugführer den Mangel bei einer ordnungsgemäß durchgeführten Abfahrtkontrolle oder im Fahrbetrieb hätte feststellen können. Nur wenn ihm eine Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen werden kann, handelt er fahrlässig. Diese Frage ist aber nicht immer eindeutig zu beantworten, weshalb auch diese Ausführungen nur eine Empfehlung darstellen. Die Verantwortung des Fahrzeughalters ist im Kapitel 2 „Recht“ beschrieben.